Weihnachten in Australien…
…ist soooo anders als in Deutschland.
Mitten im Hochsommer, bei 30° oder drüber einen Truthahn zu grillen ist zwar jetzt nicht so wirklich das höchste der Gefühle, aber was macht man nicht alles um ein bisschen die Tradition zu wahren und bei unseren Gästen Eundruck zu schinden!
Außerdem muss ich gestehen, dass ich lieber hier im Trägerhemd sitze und mir vom Ventilator die kühle Luft aus der Klimaanlage um die Ohren wehen lasse, als mich bei Minusgraden mit dem unvermeidlichen, lästigen Einpacken in warme Pullover, Wintermäntel, Schal, Mütze, Handschuhe und (in meinem Fall meistens noch) Thermounterwäsche abzuquälen.
Was ist gleich oder anders an Weihnachten in Deutschland und in Australien?
Der Weihnachtsmann / Santa Claus
Auch hier hat er einen weißen Bart und einen roten Anzug, inklusive schwarzer Stiefel. Er fährt in seinem Schlitten, angeführt von Rudi the red nosed rendeer, auf dem er den großen Sack mit den auszuliefernden Geschenken transportiert und von dem aus er diese verteilt.
Ein Bild mit Santa ist hier ein alljährliches Ritual:
Meistens sitzt Santa in seinem großen Sessel (sponsored by Stockland, Centro, Domain oder anderen Developern) in einem abgegrenzten Bereich der wie ein Photostudio ausgestattet ist.
Die Eltern und ihre Kinder warten mehr oder weniger geduldig und aufgeregt bis sie an der Reihe sind ein Bild mit Santa zu machen. Natürlich sind diese Bilder kostenpflichtig und eine wahrscheinlich willkommene Einkommensquelle für die beteiligten Photographen.
Weihnachtsbaum
Einerseits tut es mir immer leid um die vielen Tannen, Fichten oder Kiefern, die geschlagen werden um für ein paar Tage ein strahlendes Dasein zu führen um dann gemeinsam mit ihren Leidensgenossen in der Vergessenheit der Müllkippe zu landen, andererseits vermisse ich den Geruch, den ein solcher Baum freigibt.
Noch so viel oder gutes Raumspray kann diesen Duft nicht immitieren. Allerdings ist es wahrscheinlich die Mischung, die es hier ausmacht. Winter has seinen ganz eigenen Geruch, besonders wenn es geschneit hat und der Duft von Zimt, Nelken, selbstgebackenen Plätzchen und Lebkuchen die Häuser und Läden erfüllt.
Hier in Australien gibt es so gut wie gar keine echten Weihnachtsbäume. Ich bin nicht sicher wie es in Tasmanien ist. Dort sind die klimatischen Bedingungen zwar Nadelbaum-freundlicher, allerdings ist auch dort an Weihnachten Sommer.
Jedenfalls ist es für die Australier im Gegensatz zu den Deutschen, wo das fast ein Affront ist, ganz normal, einen künstlichen Tannenbaum zu haben. Die gibt es in allen möglichen Größen und sogar verschiedenen Farben. Manche sehen ganz naturgetreu aus, während andere betont künstlich sind.
In jedem Fall aber werden sie ebenso liebevoll geschmückt, wobei es in den meisten Familien aufgrund der offenen Bauweise, in der Küche, Wohn- und Esszimmer ineinander übergehen, eher Tradition ist den Baum gemeinsam zu dekorieren, als den fertig geschmückten Baum als Überraschung bis zur Bescherung hinter verschlossenen Türen zu verstecken.
Traditionelles Weihnachtsessen
Während ich in Deutschland eine sehr vielfältige Auswahl von traditionellem Weihnachtsessen mitbekommen habe (z.B. Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat für Heiligabend, Gänsebraten oder Truthahn, Lammkeule oder Kaninchen, Lachs oder Lachsforelle, je nachdem mit Rotkraut, Möhren, Bohnen oder Salat und Knödeln, Kroketten oder gar Pommes Frites als Beilagen für einen der Weihnachsttage, sowie eine Vielfalt an potentiellen Desserts wie natürlich selbstgebackenen Plätzchen, Weihnachtsstollen, Eis mit heißen Himbeeren/ Kirschen, Tiramisu oder ein Nusskuchen), sind die Australier sich größtenteils einig:
Gaaanz typisch ist ein großer Schinken mit gerösteten Kartoffeln und Kürbis, glasierten Möhren und Bohnen.
Die Nachspeise, Früchtekuchen, wird wochenlang vorher vorbereitet, ziehen gelassen und mit flüssigem Pudding serviert.
Süßere und lockere Alternative ist Pavlova, eine weiche Baiserbasis mit Sahne oder Creme, garniert mit Kiwi, Erdbeeren oder Honigmelone und übergossen mit ein wenig süßer Sauce. (Göttlich für Schleckermäuler wie mich!)
Generell werden aber aufgrund der Hitze eher leichtere und leichter verdauliche Speisen angeboten: Garnelen, Fisch, Meeresfrüchte aller Art und frische Salate (die hier meist ohne jegliches Dressing gegessen werden).
Während ein deutsches Weihnachtsessen oft nach einem Verdauungsspaziergang verlangt, wird in Australien eher Nahrung bevorzugt, die nach dem Konsum immernoch eine Runde schwimmen im Pool (oder Meer) erlaubt ohne gleich wie ein Stein nach unten zu sinken.
Bescherung
24.12. – Heiligabend. In den meisten europäischen und ebenfalls in vielen anderen Ländern ist das der Tag, bzw. meistens Abend der Bescherung.
Bei uns zuhause wurde das Wohnzimmer geschlossen, der Baum geschmückt (ohne uns Kinder, denn es sollte ja eine Überraschung sein!), es musste auf jeden Fall dunkel sein, wir waren alle schick angezogen und frisiert, hatten unser Gedichtchen für den Weihnachtsmann gelernt und warteten ziemlich ungeduldig darauf, bis endlich das Glöckchen klingelte, das die Ankunft der Geschenke vom Christkind verkündete.
Wenn wir in die gute Stube durften lief Weihnachtsmusik und der Baum erstrahlte im Glanz der gerade entzündeten Wunderkerzen und zur Feier des Tages echten Bienenwachskerzen. Bevor die Geschenke ausgepackt werden durften mussten wir erst das eine oder andere Weihnachtslied singen und unser ausgewendig gelerntes Sprüchlein aufsagen und dann ging es endlich los.
Ausnahmsweise durften wir länger aufbleiben, um mit unseren Geschenken zu spielen oder gemeinsam einen Bibelfim im Fernsehen anzuschauen und dieses Ritual wurde für die nächsten beiden Tage in den verwandtschaftlichen Haushalten wiederholt.
In Australien gibt es Christmas Day (25.12.) und Boxing Day (26.12.). Geschenke werden in der Familie am Christmas Morgen ausgetauscht, danach gibt es lunch (Mittagessen) und das war dann meist auch fast schon das Ende der Feierlichkeiten, es sei denn, man geht von Verwandtschaft zu Verwandtschaft.
Christmas Day ist hier der höchste Feiertag. Das Museum und Reef HQ haben jeden Tag geöffnet – außer an Christmas Day.
In Australien gibt es im Vergleich zu Deutschland wesentlich weniger Feiertage. Dafür werden diese “nachgefeiert”, falls sie auf ein Wochenende fallen. Ist zum Beispiel Christmas Day ein Samstag, gibt es am darauffolgenden Montag für Angestellte frei.





